Franz Kafka, het hele proces

Kafka en Felice Bauer in Boedapest, 12 juli 1917
© Archiv Klaus Wagenbach

Vanaf de zomer in 1914 tot aan het begin van het jaar 1915 schreef Franz Kafka zijn beroemde roman “Der Prozess”. Nu, meer dan 100 jaar later, wordt het complete manuscript in het museum Martin-Gropius-Bau in Berlijn tentoongesteld. Blad na blad wordt het in de volgorde getoond zoals Kafka de vellen papier destijds aan zijn vriend en boedelredder Max Brod had gegeven. Deze presentatie in Berlijn stamt uit de expositie „Der ganze Prozess“ in het jaar 2013/2014 van het literatuurmuseum in Marbach. Het manuscript is onderdeel van de verzamelingen van het Duitse literaire archief in Marbach.

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Een legendarische nacht

kafkaVandaag is een bijzondere dag, omdat het precies 104 jaar geleden is dat Franz Kafka in de startblokken stond om zijn beroemde nouvelle Das Urteil (Het vonnis) te schrijven. De oorspronkelijke titel luidde Eine Geschichte für Felice B. Hij schreef dit verhaal in de nacht van 22 op 23 september 1912.  ‘Een uitbarsting die in de weredliteratuur zijn gelijke zoekt’, aldus Kafka-biograaf Reiner Stach (lees hier mijn artikel over zijn Kafka-biografie).

Het vonnis gaat over een conflict tussen vader en zoon. Georg Bendemann, zoon van een koopman,  is verloofd en staat op het punt te gaan trouwen. Kort voor het huwelijk correspondeert hij per brief met zijn ongelukkige vriend in St. Peterbrug, althans, hij beschouwt zijn vriend als ongelukkig.

Om hem enigszins te ontzien schrijft Georg niets in zijn brieven over zijn eigen succesvolle leven. Maar na lang wikken en wegen en het overreden van zijn toekomstige vrouw besluit hij iets te schrijven over het naderende huwelijk. Als Georg met de brief naar zijn vader gaat ontstaat er een dispuut. Tijdens deze strijd komt de zoon erachter dat zijn vader naar het heet al lange tijd met zijn vriend in St. Petersburg in verbinding staat en dat hij al lang van alles op de hoogte is.

De vader verwijt zijn zoon Georg dat hij de leiding van de zaak naar zich toe heeft getrokken en een onfatsoenlijke vrouw als verloofde heeft gekozen. Hij eindigt de uiteenzetting met de woorden: “Ik veroordeel je nu tot de dood door verdrinken!” Daarna loopt de zoon uit het huis, rent naar de rivier, springt over ene hekwerk,  “riep zacht: Maar lieve ouders, ik heb toch altijd van jullie gehouden”, en liet zich naar beneden vallen. In de uitgave van 1913 heette het: “…en liet zich op de grond vallen.”

DAS URTEIL
Hieronder de complete novelle Das Urteil, afkomstig van de website van het Gutenberg Projekt.

EINE GESCHICHTE  VON  FRANZ KAFKA

LEIPZIG
KURT WOLFF VERLAG 1916

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R. September 1916 als vierunddreißigster Band der Bücherei »Der jüngste Tag«

Copyright 1916 by Kurt Wolff Verlag – Leipzig

 FÜR F.

Es war an einem Sonntagvormittag im schönsten Frühjahr. Georg Bendemann, ein junger Kaufmann, saß in seinem Privatzimmer im ersten Stock eines der niedrigen, leichtgebauten Häuser, die entlang des Flusses in einer langen Reihe, fast nur in der Höhe und Färbung unterschieden, sich hinzogen. Er hatte gerade einen Brief an einen sich im Ausland befindenden Jugendfreund beendet, verschloß ihn in spielerischer Langsamkeit und sah dann, den Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt, aus dem Fenster auf den Fluß, die Brücke und die Anhöhen am anderen Ufer mit ihrem schwachen Grün.

Er dachte darüber nach, wie dieser Freund, mit seinem Fortkommen zu Hause unzufrieden, vor Jahren schon nach Rußland sich förmlich geflüchtet hatte. Nun betrieb er ein Geschäft in Petersburg, das anfangs sich sehr gut angelassen hatte, seit langem aber schon zu stocken schien, wie der Freund bei seinen immer seltener werdenden Besuchen klagte. So arbeitete er sich in der Fremde nutzlos ab, der fremdartige Vollbart verdeckte nur schlecht das seit den Kinderjahren wohlbekannte Gesicht, dessen gelbe Hautfarbe auf eine sich entwickelnde Krankheit hinzudeuten schien. Wie er erzählte, hatte er keine rechte Verbindung mit der dortigen Kolonie seiner Landsleute, aber auch fast keinen gesellschaftlichen Verkehr mit einheimischen Familien und richtete sich so für ein endgültiges Junggesellentum ein.

Was wollte man einem solchen Manne schreiben, der sich offenbar verrannt hatte, den man bedauern, dem man aber nicht helfen konnte. Sollte man ihm vielleicht raten, wieder nach Hause zu kommen, seine Existenz hierher zu verlegen, alle die alten freundschaftlichen Beziehungen wieder aufzunehmen — wofür ja kein Hindernis bestand — und im übrigen auf die Hilfe der Freunde zu vertrauen? Das bedeutete aber nichts anderes, als daß man ihm gleichzeitig, je schonender, desto kränkender, sagte, daß seine bisherigen Versuche mißlungen seien, daß er endlich von ihnen ablassen solle, daß er zurückkehren und sich als ein für immer Zurückgekehrter von allen mit großen Augen anstaunen lassen müsse, daß nur seine Freunde etwas verstünden und daß er ein altes Kind sei, das den erfolgreichen, zu Hause gebliebenen Freunden einfach zu folgen habe. Und war es dann noch sicher, daß alle die Plage, die man ihm antun müßte, einen Zweck hätte? Vielleicht gelang es nicht einmal, ihn überhaupt nach Hause zu bringen — er sagte ja selbst, daß er die Verhältnisse in der Heimat nicht mehr verstünde –, und so bliebe er dann trotz allem in seiner Fremde, verbittert durch die Ratschläge und den Freunden noch ein Stück mehr entfremdet. Folgte er aber wirklich dem Rat und würde hier — natürlich nicht mit Absicht, aber durch die Tatsachen — niedergedrückt, fände sich nicht in seinen Freunden und nicht ohne sie zurecht, litte an Beschämung, hätte jetzt wirklich keine Heimat und keine Freunde mehr, war es da nicht viel besser für ihn, er blieb in der Fremde, so wie er war? Konnte man denn bei solchen Umständen daran denken, daß er es hier tatsächlich vorwärts bringen würde?

Aus diesen Gründen konnte man ihm, wenn man noch überhaupt die briefliche Verbindung aufrecht erhalten wollte, keine eigentlichen Mitteilungen machen, wie man sie ohne Scheu auch den entferntesten Bekannten machen würde. Der Freund war nun schon über drei Jahre nicht in der Heimat gewesen und erklärte dies sehr notdürftig mit der Unsicherheit der politischen Verhältnisse in Rußland, die demnach also auch die kürzeste Abwesenheit eines kleinen Geschäftsmannes nicht zuließen, während hunderttausende Russen ruhig in der Welt herumfuhren. Im Laufe dieser drei Jahre hatte sich aber gerade für Georg vieles verändert. Von dem Todesfall von Georgs Mutter, der vor etwa zwei Jahren erfolgt war und seit welchem Georg mit seinem alten Vater in gemeinsamer Wirtschaft lebte, hatte der Freund wohl noch erfahren und sein Beileid in einem Brief mit einer Trockenheit ausgedrückt, die ihren Grund nur darin haben konnte, daß die Trauer über ein solches Ereignis in der Fremde ganz unvorstellbar wird. Nun hatte aber Georg seit jener Zeit, so wie alles andere, auch sein Geschäft mit größerer Entschlossenheit angepackt. Vielleicht hatte ihn der Vater bei Lebzeiten der Mutter dadurch, daß er im Geschäft nur seine Ansicht gelten lassen wollte, an einer wirklichen eigenen Tätigkeit gehindert, vielleicht war der Vater seit dem Tode der Mutter, trotzdem er noch immer im Geschäft arbeitete, zurückhaltender geworden, vielleicht spielten — was sogar sehr wahrscheinlich war — glückliche Zufälle eine weit wichtigere Rolle, jedenfalls aber hatte sich das Geschäft in diesen zwei Jahren ganz unerwartet entwickelt, das Personal hatte man verdoppeln müssen, der Umsatz hatte sich verfünffacht, ein weiterer Fortschritt stand zweifellos bevor.

Der Freund aber hatte keine Ahnung von dieser Veränderung. Früher, zum letztenmal vielleicht in jenem Beileidsbrief, hatte er Georg zur Auswanderung nach Rußland überreden wollen und sich über die Aussichten verbreitet, die gerade für Georgs Geschäftszweig in Petersburg bestanden. Die Ziffern waren verschwindend gegenüber dem Umfang, den Georgs Geschäft jetzt angenommen hatte. Georg aber hatte keine Lust gehabt, dem Freund von seinen geschäftlichen Erfolgen zu schreiben, und hätte er es jetzt nachträglich getan, es hätte wirklich einen merkwürdigen Anschein gehabt.

So beschränkte sich Georg darauf, dem Freund immer nur über bedeutungslose Vorfälle zu schreiben, wie sie sich, wenn man an einem ruhigen Sonntag nachdenkt, in der Erinnerung ungeordnet aufhäufen. Er wollte nichts anderes, als die Vorstellung ungestört lassen, die sich der Freund von der Heimatstadt in der langen Zwischenzeit wohl gemacht und mit welcher er sich abgefunden hatte. So geschah es Georg, daß er dem Freund die Verlobung eines gleichgültigen Menschen mit einem ebenso gleichgültigen Mädchen dreimal in ziemlich weit auseinanderliegenden Briefen anzeigte, bis sich dann allerdings der Freund, ganz gegen Georgs Absicht, für diese Merkwürdigkeit zu interessieren begann.

Georg schrieb ihm aber solche Dinge viel lieber, als daß er zugestanden hätte, daß er selbst vor einem Monat mit einem Fräulein Frieda Brandenfeld, einem Mädchen aus wohlhabender Familie, sich verlobt hatte. Oft sprach er mit seiner Braut über diesen Freund und das besondere Korrespondenzverhältnis, in welchem er zu ihm stand. »Er wird also gar nicht zu unserer Hochzeit kommen,« sagte sie, »und ich habe doch das Recht, alle deine Freunde kennen zu lernen.« »Ich will ihn nicht stören,« antwortete Georg, »verstehe mich recht, er würde wahrscheinlich kommen, wenigstens glaube ich es, aber er würde sich gezwungen und geschädigt fühlen, vielleicht mich beneiden und sicher unzufrieden und unfähig, diese Unzufriedenheit jemals zu beseitigen, allein wieder zurückfahren. Allein — weißt du, was das ist?« »Ja, kann er denn von unserer Heirat nicht auch auf andere Weise erfahren?« »Das kann ich allerdings nicht verhindern, aber es ist bei seiner Lebensweise unwahrscheinlich.« »Wenn du solche Freunde hast, Georg, hättest du dich überhaupt nicht verloben sollen.« »Ja, das ist unser beider Schuld; aber ich wollte es auch jetzt nicht anders haben.« Und wenn sie dann, rasch atmend unter seinen Küssen, noch vorbrachte: »Eigentlich kränkt es mich doch«, hielt er es wirklich für unverfänglich, dem Freund alles zu schreiben. »So bin ich und so hat er mich hinzunehmen«, sagte er sich, »ich kann nicht aus mir einen Menschen herausschneiden, der vielleicht für die Freundschaft mit ihm geeigneter wäre, als ich es bin.«

Und tatsächlich berichtete er seinem Freunde in dem langen Brief, den er an diesem Sonntagvormittag schrieb, die erfolgte Verlobung mit folgenden Worten: »Die beste Neuigkeit habe ich mir bis zum Schluß aufgespart. Ich habe mich mit einem Fräulein Frieda Brandenfeld verlobt, einem Mädchen aus einer wohlhabenden Familie, die sich hier erst lange nach Deiner Abreise angesiedelt hat, die Du also kaum kennen dürftest. Es wird sich noch Gelegenheit finden, Dir Näheres über meine Braut mitzuteilen, heute genüge Dir, daß ich recht glücklich bin und daß sich in unserem gegenseitigen Verhältnis nur insofern etwas geändert hat, als Du jetzt in mir statt eines ganz gewöhnlichen Freundes einen glücklichen Freund haben wirst. Außerdem bekommst Du in meiner Braut, die Dich herzlich grüßen läßt, und die Dir nächstens selbst schreiben wird, eine aufrichtige Freundin, was für einen Junggesellen nicht ganz ohne Bedeutung ist. Ich weiß, es hält Dich vielerlei von einem Besuche bei uns zurück, wäre aber nicht gerade meine Hochzeit die richtige Gelegenheit, einmal alle Hindernisse über den Haufen zu werfen? Aber wie dies auch sein mag, handle ohne alle Rücksicht und nur nach Deiner Wohlmeinung.«

Mit diesem Brief in der Hand war Georg lange, das Gesicht dem Fenster zugekehrt, an seinem Schreibtisch gesessen. Einem Bekannten, der ihn im Vorübergehen von der Gasse aus gegrüßt hatte, hatte er kaum mit einem abwesenden Lächeln geantwortet.

Endlich steckte er den Brief in die Tasche und ging aus seinem Zimmer quer durch einen kleinen Gang in das Zimmer seines Vaters, in dem er schon seit Monaten nicht gewesen war. Es bestand auch sonst keine Nötigung dazu, denn er verkehrte mit seinem Vater ständig im Geschäft, das Mittagessen nahmen sie gleichzeitig in einem Speisehaus ein, abends versorgte sich zwar jeder nach Belieben, doch saßen sie dann meistens, wenn nicht Georg, wie es am häufigsten geschah, mit Freunden beisammen war oder jetzt seine Braut besuchte, noch ein Weilchen, jeder mit seiner Zeitung, im gemeinsamen Wohnzimmer.

Georg staunte darüber, wie dunkel das Zimmer des Vaters selbst an diesem sonnigen Vormittag war. Einen solchen Schatten warf also die hohe Mauer, die sich jenseits des schmalen Hofes erhob. Der Vater saß beim Fenster in einer Ecke, die mit verschiedenen Andenken an die selige Mutter ausgeschmückt war, und las die Zeitung, die er seitlich vor die Augen hielt, wodurch er irgendeine Augenschwäche auszugleichen suchte. Auf dem Tisch standen die Reste des Frühstücks, von dem nicht viel verzehrt zu sein schien.

»Ah, Georg!« sagte der Vater und ging ihm gleich entgegen. Sein schwerer Schlafrock öffnete sich im Gehen, die Enden umflatterten ihn — »mein Vater ist noch immer ein Riese«, sagte sich Georg.

»Hier ist es ja unerträglich dunkel«, sagte er dann.

»Ja, dunkel ist es schon«, antwortete der Vater.

»Das Fenster hast du auch geschlossen?«

»Ich habe es lieber so.«

»Es ist ja ganz warm draußen«, sagte Georg, wie im Nachhang zu dem Früheren, und setzte sich.

Der Vater räumte das Frühstücksgeschirr ab und stellte es auf einen Kasten.

»Ich wollte dir eigentlich nur sagen,« fuhr Georg fort, der den Bewegungen des alten Mannes ganz verloren folgte, »daß ich nun doch nach Petersburg meine Verlobung angezeigt habe.« Er zog den Brief ein wenig aus der Tasche und ließ ihn wieder zurückfallen.

»Nach Petersburg?« fragte der Vater.

»Meinem Freunde doch«, sagte Georg und suchte des Vaters Augen. — »Im Geschäft ist er doch ganz anders,« dachte er, »wie er hier breit sitzt und die Arme über der Brust kreuzt.«

»Ja. Deinem Freunde«, sagte der Vater mit Betonung.

»Du weißt doch, Vater, daß ich ihm meine Verlobung zuerst verschweigen wollte. Aus  Rücksichtnahme, aus keinem anderen Grunde sonst. Du weißt selbst, er ist ein schwieriger Mensch. Ich sagte mir, von anderer Seite kann er von meiner Verlobung wohl erfahren, wenn das auch bei seiner einsamen Lebensweise kaum wahrscheinlich ist — das kann ich nicht hindern –, aber von mir selbst soll er es nun einmal nicht erfahren.«

»Und jetzt hast du es dir wieder anders überlegt?« fragte der Vater, legte die große Zeitung auf den Fensterbord und auf die Zeitung die Brille, die er mit der Hand bedeckte.

»Ja, jetzt habe ich es mir wieder überlegt. Wenn er mein guter Freund ist, sagte ich mir, dann ist meine glückliche Verlobung auch für ihn ein Glück. Und deshalb habe ich nicht mehr gezögert, es ihm anzuzeigen. Ehe ich jedoch den Brief einwarf, wollte ich es dir sagen.«

»Georg,« sagte der Vater und zog den zahnlosen Mund in die Breite, »hör’ einmal! Du bist wegen dieser Sache zu mir gekommen, um dich mit mir zu beraten. Das ehrt dich ohne Zweifel. Aber es ist nichts, es ist ärger als nichts, wenn du mir jetzt nicht die volle Wahrheit sagst. Ich will nicht Dinge aufrühren, die nicht hierher gehören. Seit dem Tode unserer teueren Mutter sind gewisse unschöne Dinge vorgegangen. Vielleicht kommt auch für sie die Zeit und vielleicht kommt sie früher, als wir denken. Im Geschäft entgeht mir manches, es wird mir vielleicht nicht verborgen — ich will jetzt gar nicht die Annahme machen, daß es mir verborgen wird –, ich bin nicht mehr kräftig genug, mein Gedächtnis läßt nach, ich habe nicht mehr den Blick für alle die vielen Sachen. Das ist erstens der Ablauf der Natur, und zweitens hat mich der Tod unseres Mütterchens viel mehr niedergeschlagen als dich. — Aber weil wir gerade bei dieser Sache halten, bei diesem Brief, so bitte ich dich, Georg, täusche mich nicht. Es ist eine Kleinigkeit, es ist nicht des Atems wert, also täusche mich nicht. Hast du wirklich diesen Freund in Petersburg?«

Georg stand verlegen auf. »Lassen wir meine Freunde sein. Tausend Freunde ersetzen mir nicht meinen Vater. Weißt du, was ich glaube? Du schonst dich nicht genug. Aber das Alter verlangt seine Rechte. Du bist mir im Geschäft unentbehrlich, das weißt du ja sehr genau, aber wenn das Geschäft deine Gesundheit bedrohen sollte, sperre ich es noch morgen für immer. Das geht nicht. Wir müssen da eine andere Lebensweise für dich einführen. Aber von Grund aus. Du sitzt hier im Dunkel, und im Wohnzimmer hättest du schönes Licht. Du nippst vom Frühstück, statt dich ordentlich zu stärken. Du sitzt bei geschlossenem Fenster, und die Luft würde dir so gut tun. Nein, mein Vater! Ich werde den Arzt holen und seinen Vorschriften werden wir folgen. Die Zimmer werden wir wechseln,
du wirst ins Vorderzimmer ziehen, ich hierher. Es wird keine Veränderung für dich sein, alles wird mit übertragen werden. Aber das alles hat Zeit, jetzt lege dich noch ein wenig ins Bett, du brauchst unbedingt Ruhe. Komm, ich werde dir beim Ausziehn helfen, du wirst sehn, ich kann es. Oder willst du gleich ins Vorderzimmer gehn, dann legst du dich vorläufig in mein Bett. Das wäre übrigens sehr vernünftig.«

Georg stand knapp neben seinem Vater, der den Kopf mit dem struppigen weißen Haar auf die Brust hatte sinken lassen.

»Georg«, sagte der Vater leise, ohne Bewegung.

Georg kniete sofort neben dem Vater nieder, er sah die Pupillen in dem müden Gesicht des Vaters übergroß in den Winkeln der Augen auf sich gerichtet.

»Du hast keinen Freund in Petersburg. Du bist immer ein Spaßmacher gewesen und hast dich auch mir gegenüber nicht zurückgehalten. Wie solltest du denn gerade dort einen Freund haben! Das kann ich gar nicht glauben.«

»Denk doch noch einmal nach, Vater,« sagte Georg, hob den Vater vom Sessel und zog ihm, wie er nun doch recht schwach dastand, den Schlafrock aus, »jetzt wird es bald drei Jahre her sein, da war ja mein Freund bei uns zu Besuch. Ich erinnere mich noch, daß du ihn nicht besonders gern hattest. Wenigstens zweimal habe ich ihn vor dir verleugnet, trotzdem er gerade bei mir im Zimmer saß. Ich konnte ja deine Abneigung gegen ihn ganz gut verstehn, mein Freund hat seine Eigentümlichkeiten. Aber dann hast du dich doch auch wieder ganz gut mit ihm unterhalten. Ich war damals noch so stolz darauf, daß du ihm zuhörtest, nicktest und fragtest. Wenn du nachdenkst, mußt du dich erinnern. Er erzählte damals unglaubliche Geschichten von der russischen Revolution. Wie er z. B. auf einer Geschäftsreise in Kiew bei einem Tumult einen Geistlichen auf einem Balkon gesehen hatte, der sich ein breites Blutkreuz in die flache Hand schnitt, diese Hand erhob und die Menge anrief. Du hast ja selbst diese Geschichte hie und da wiedererzählt.«

Währenddessen war es Georg gelungen, den Vater wieder niederzusetzen und ihm die Trikothose, die er über den Leinenunterhosen trug, sowie die Socken vorsichtig auszuziehn. Beim Anblick der nicht besonders reinen Wäsche machte er sich Vorwürfe, den Vater vernachlässigt zu haben. Es wäre sicherlich auch seine Pflicht gewesen, über den Wäschewechsel seines Vaters zu wachen. Er hatte mit seiner Braut darüber, wie sie die Zukunft des Vaters einrichten wollten, noch nicht ausdrücklich gesprochen, denn sie hatten stillschweigend vorausgesetzt, daß der Vater allein in der alten Wohnung bleiben würde. Doch jetzt entschloß er sich kurz mit aller Bestimmtheit, den Vater in seinen künftigen Haushalt mitzunehmen. Es schien ja fast, wenn man genauer zusah, daß die Pflege, die dort dem Vater bereitet werden sollte, zu spät kommen könnte.

Auf seinen Armen trug er den Vater ins Bett. Ein schreckliches Gefühl hatte er, als er während der paar Schritte zum Bett hin merkte, daß an seiner Brust der Vater mit seiner Uhrkette spiele. Er konnte ihn nicht gleich ins Bett legen, so fest hielt er sich an dieser Uhrkette.

Kaum war er aber im Bett, schien alles gut. Er deckte sich selbst zu und zog dann die Bettdecke noch besonders weit über die Schulter. Er sah nicht unfreundlich zu Georg hinauf.

»Nicht wahr, du erinnerst dich schon an ihn?« fragte Georg und nickte ihm aufmunternd zu.

»Bin ich jetzt gut zugedeckt?« fragte der Vater, als könne er nicht nachschauen, ob die Füße genug bedeckt seien.

»Es gefällt dir also schon im Bett«, sagte Georg und legte das Deckzeug besser um ihn.

»Bin ich gut zugedeckt?« fragte der Vater noch einmal und schien auf die Antwort besonders aufzupassen.

»Sei nur ruhig, du bist gut zugedeckt.«

»Nein!« rief der Vater, daß die Antwort an die Frage stieß, warf die Decke zurück mit einer Kraft, daß sie einen Augenblick im Fluge sich ganz entfaltete, und stand aufrecht im Bett. Nur eine Hand hielt er leicht an den Plafond. »Du wolltest mich zudecken, das weiß ich, mein Früchtchen, aber zugedeckt bin ich noch nicht. Und ist es auch die letzte Kraft, genug für dich, zuviel für dich. Wohl kenne ich deinen Freund. Er wäre ein Sohn nach meinem Herzen. Darum hast du ihn auch betrogen die ganzen Jahre lang. Warum sonst? Glaubst du, ich habe nicht um ihn geweint? Darum doch sperrst du dich in dein Bureau, niemand soll stören, der Chef ist beschäftigt — nur damit du deine falschen Briefchen nach Rußland schreiben kannst. Aber den Vater muß glücklicherweise niemand lehren, den Sohn zu durchschauen. Wie du jetzt geglaubt hast, du hättest ihn untergekriegt, so untergekriegt, daß du dich mit deinem Hintern auf ihn setzen kannst und er rührt sich nicht, da hat sich mein Herr Sohn zum Heiraten entschlossen!«

Georg sah zum Schreckbild seines Vaters auf. Der Petersburger Freund, den der Vater plötzlich so gut kannte, ergriff ihn, wie noch nie. Verloren im weiten Rußland sah er ihn. An der Türe des leeren, ausgeraubten Geschäftes sah er ihn. Zwischen den Trümmern der Regale, den zerfetzten Waren, den fallenden Gasarmen stand er gerade noch. Warum hatte er so weit wegfahren müssen!

»Aber schau mich an!« rief der Vater, und Georg lief, fast zerstreut, zum Bett, um alles zu fassen, stockte aber in der Mitte des Weges.

»Weil sie die Röcke gehoben hat,« fing der Vater zu flöten an, »weil sie die Röcke so gehoben hat, die widerliche Gans,« und er hob, um das darzustellen, sein Hemd so hoch, daß man auf seinem Oberschenkel die Narbe aus seinen Kriegsjahren sah, »weil sie die Röcke so und so und so gehoben hat, hast du dich an sie herangemacht, und damit du an ihr ohne Störung dich befriedigen kannst, hast du unserer Mutter Andenken geschändet, den Freund verraten und deinen Vater ins Bett gesteckt, damit er sich nicht rühren kann. Aber kann er sich rühren oder nicht?«

Und er stand vollkommen frei und warf die Beine. Er strahlte vor Einsicht.

Georg stand in einem Winkel, möglichst weit vom Vater. Vor einer langen Weile hatte er sich fest entschlossen, alles vollkommen genau zu beobachten, damit er nicht irgendwie auf Umwegen, von hinten her, von oben herab überrascht werden könne. Jetzt erinnerte er sich wieder an den längst vergessenen Entschluß und vergaß ihn, wie man einen kurzen Faden durch ein Nadelöhr zieht.

»Aber der Freund ist nun doch nicht verraten!« rief der Vater, und sein hin- und herbewegter Zeigefinger bekräftigte es. »Ich war sein Vertreter hier am Ort.«

»Komödiant!« konnte sich Georg zu rufen nicht enthalten, erkannte sofort den Schaden und biß, nur zu spät, — die Augen erstarrt — in seine Zunge, daß er vor Schmerz einknickte.

»Ja, freilich habe ich Komödie gespielt! Komödie! Gutes Wort! Welcher andere Trost blieb dem alten verwitweten Vater? Sag — und für den Augenblick der Antwort sei du noch mein lebender Sohn –, was blieb mir übrig, in meinem Hinterzimmer, verfolgt vom ungetreuen Personal, alt bis in die Knochen? Und mein Sohn ging im Jubel durch die Welt, schloß Geschäfte ab, die ich vorbereitet hatte, überpurzelte sich vor Vergnügen und ging vor seinem Vater mit dem verschlossenen Gesicht eines Ehrenmannes davon! Glaubst du, ich hätte dich nicht geliebt, ich, von dem du ausgingst?«

»Jetzt wird er sich vorbeugen,« dachte Georg, »wenn er fiele und zerschmetterte!« Dieses Wort durchzischte seinen Kopf.

Der Vater beugte sich vor, fiel aber nicht. Da Georg sich nicht näherte, wie er erwartet hatte, erhob er sich wieder.

»Bleib, wo du bist, ich brauche dich nicht! Du denkst, du hast noch die Kraft, hierher zu kommen und hältst dich bloß zurück, weil du so willst. Daß du dich nicht irrst! Ich bin noch immer der viel Stärkere. Allein hätte ich vielleicht zurückweichen müssen, aber so hat mir die Mutter ihre Kraft abgegeben, mit deinem Freund habe ich mich herrlich verbunden, deine Kundschaft habe ich hier in der Tasche!«

»Sogar im Hemd hat er Taschen!« sagte sich Georg und glaubte, er könne ihn mit dieser Bemerkung in der ganzen Welt unmöglich machen. Nur einen Augenblick dachte er das, denn immerfort vergaß er alles.

»Häng dich nur in deine Braut ein und komm mir entgegen! Ich fege sie dir von der Seite weg, du weißt nicht wie!«

Georg machte Grimassen, als glaube er das nicht. Der Vater nickte bloß, die Wahrheit dessen, was er sagte, beteuernd, in Georgs Ecke hin.

»Wie hast du mich doch heute unterhalten, als du kamst und fragtest, ob du deinem Freund von der Verlobung schreiben sollst. Er weiß doch alles, dummer Junge, er weiß doch alles! Ich schrieb ihm doch, weil du vergessen hast, mir das Schreibzeug wegzunehmen. Darum kommt er schon seit Jahren nicht, er weiß ja alles hundertmal besser als du selbst, deine Briefe zerknüllt er ungelesen in der linken Hand, während er in der Rechten meine Briefe zum Lesen sich vorhält!«

Seinen Arm schwang er vor Begeisterung über dem Kopf. »Er weiß alles tausendmal besser!« rief er.

»Zehntausendmal!« sagte Georg, um den Vater zu verlachen, aber noch in seinem Munde bekam das Wort einen toternsten Klang.

»Seit Jahren passe ich schon auf, daß du mit dieser Frage kämest! Glaubst du, mich kümmert etwas anderes? Glaubst du, ich lese Zeitungen? Da!« und er warf Georg ein Zeitungsblatt, das irgendwie mit ins Bett getragen worden war, zu. Eine alte Zeitung, mit einem Georg schon ganz unbekannten Namen.

»Wie lange hast du gezögert, ehe du reif geworden bist! Die Mutter mußte sterben, sie konnte den Freudentag nicht erleben, der Freund geht zugrunde in seinem Rußland, schon vor drei Jahren war er gelb zum Wegwerfen, und ich, du siehst ja, wie es mit mir steht. Dafür hast du doch Augen!«

»Du hast mir also aufgelauert!« rief Georg.

Mitleidig sagte der Vater nebenbei: »Das wolltest du wahrscheinlich früher sagen. Jetzt paßt es ja gar nicht mehr.«

Und lauter: »Jetzt weißt du also, was es noch außer dir gab, bisher wußtest du nur von dir! Ein unschuldiges Kind warst du ja eigentlich, aber noch eigentlicher warst du ein teuflischer Mensch! — Und darum wisse: Ich verurteile dich jetzt zum Tode des Ertrinkens!«

Georg fühlte sich aus dem Zimmer gejagt, den Schlag, mit dem der Vater hinter ihm aufs Bett stürzte, trug er noch in den Ohren davon. Auf der Treppe, über deren Stufen er wie über eine schiefe Fläche eilte, überrumpelte er seine Bedienerin, die im Begriffe war heraufzugehen, um die Wohnung nach der Nacht aufzuräumen. »Jesus!« rief sie und verdeckte mit der Schürze das Gesicht, aber er war schon davon. Aus dem Tor sprang er, über die Fahrbahn zum Wasser trieb es ihn. Schon hielt er das Geländer fest, wie ein Hungriger die Nahrung. Er schwang sich über, als der ausgezeichnete Turner, der er in seinen Jugendjahren zum Stolz seiner Eltern gewesen war. Noch hielt er sich mit schwächer werdenden Händen fest, erspähte zwischen den Geländerstangen einen Autoomnibus, der mit Leichtigkeit seinen Fall übertönen würde, rief leise: »Liebe Eltern, ich habe euch doch immer geliebt«, und ließ sich hinabfallen.

In diesem Augenblick ging über die Brücke ein geradezu unendlicher Verkehr.

Omvangrijke Kafka-biografie na 18 jaar voltooid

Reiner Stach (© Jürgen Bauer)

Reiner Stach (© Jürgen Bauer)

  • Dit is een voorproefje van het artikel in Kunsttijdschrift Vlaanderen. Lees de complete tekst in de huidige uitgave, te bestellen via deze link

Midden jaren negentig vat de Duitse literatuurwetenschapper Reiner Stach het plan op een groot opgezette Kafka biografie te schrijven. S. Fischer Verlag gaat akkoord. In 2002 verschijnt het eerste deel, zes jaar later deel twee en in 2014 sluit Stach zijn mammoetproject af. De biografie telt ruim 2.000 pagina’s.

Reiner Stach studeerde filosofie, wiskunde en literatuurwetenschap. Wanneer hij in 1996 met de Kafka-biografie begint, is het voor hem al duidelijk dat die uit drie delen zal bestaan. Hij gaat bewust met deel twee van start. Er zou in de toekomst immers nog materiaal uit de nalatenschap van Kafka’s vriend Max Brod kunnen opduiken en over de eerste periode van Kafka’s leven is geen uitvoerige correspondentie voorhanden. Dagboeken zijn er volgens Stach waarschijnlijk wel geweest, maar Kafka heeft ze vermoedelijk zelf vernietigd. Dus vangt de biografie midden in het leven van Kafka aan. Het is de fase waarin zijn belangrijkste werken tot stand komen. ‘Dat kwam goed over bij het publiek. De mensen wilden weten hoe Der Process en Die Verwandlung zijn ontstaan. Dat staat in het middelste deel. De lezers hebben de volgorde dus niet als gebrek gezien, maar als een prachtige toegang tot de biografie’, vertelt Reiner Stach tijdens mijn bezoek aan zijn woning in Berlijn. Voor de realisatie van de biografie tast de uitgeverij diep in de buidel, want de biograaf ontvangt al die jaren een maandelijks voorschot op zijn honorarium. Reiner Stach ziet dit als een prijs in de loterij. Voor de uitgeverij behoort het dure project tot het ‘tafelzilver’, aldus uitgeverij-redactrice Ursula Köhler in een interview. ‘Kafka is één van onze huisschrijvers, dan moet een uitgeverij kleur bekennen en iets investeren.’

boek1_webDeel 1
In deel één komt de sportieve Franz Kafka aan bod. Hij is lang en dun, maar ziet zichzelf liever met een paar flinke spierballen. Daarom koopt hij het oefenboek van Eugen Sandow, de pionier op het gebied van bodybuilding. Op koude winteravonden doet Kafka met blote bast gymnastiekoefeningen voor het open venster. Deze trainingen van de Deense gymnastiekleraar Johann Peder Müller waren destijds een wereldwijd succes. Kafka blijkt ook een fervent zwemmer te zijn, hij roeit en hij bezit een fiets. Volgens hem bestrijd je ziektes vooral preventief. Dat is ook de stelregel van de door Kafka zeer geprezen natuurgeneeskunde. Hij bezoekt twee keer het Lahmann sanatorium in Dresden, waar hij in 1905 Rilke en in 1906 Thomas Mann had kunnen ontmoeten. Stach merkt op dat Kafka in zijn proza geen personages opvoert die hun heil zoeken in een sanatorium, die vegetarisch zijn of die de onwetendheid van traditionele artsen vervloeken. Dat deed Kafka namelijk zelf wel. Ook komt Kafka’s fascinatie voor Japanse kunst aan de orde en we zijn getuige van een hilarische scene op zijn werkplek. De manier waarop Stach de situatie beschrijft waarin Kafka ten overstaande van de president van de verzekeringsmaatschappij een minuten durende lachaanval krijgt, is meesterlijk.

boek2_webDeel 2
In het tweede deel komt het literaire leven van Kafka op gang. Max Brod neemt hem in 1910 mee naar Leipzig om kennis te maken met de uitgevers Ernst Rowohlt en Kurt Wolff. Laatstgenoemde hoort bij het afscheid een zin van Kafka die geen enkele uitgever ooit uit de mond van een schrijver hoorde of ooit zal horen: ‘Ik zal u altijd veel dankbaarder zijn voor het terugsturen van mijn manuscripten dan voor het publiceren ervan.’ Als lezer ervaren we in dit deel ook hoe Kafka aan zijn project ‘Amerika’ en aan andere verhalen werkt. Natuurlijk komt Felice Bauer in beeld. Onder haar invloed schrijft hij ruim een week na hun eerste ontmoeting in één ruk Das Urteil en hij draagt het verhaal aan haar op. ‘Kafka in extase’, schrijft Brod in zijn dagboek. We beleven van zeer dichtbij de scene in hotel Askanischer Hof, die aanleiding was voor Kakfa’s wereldberoemde roman Der Prozess. In dat Berlijnse hotel confronteert zijn verloofde Felice hem met de brieven die hij aan haar vriendin Grete in Wenen schreef en waarin hij zijn scepsis over het naderende huwelijk uitte. De verloving wordt verbroken. Kafka voelt zich aangeklaagd door Felice en Grete die als gezworenen tegenover hem zitten. Dit voorbeeld illustreert hoe Kafka’s privéleven direct samenhangt met zijn verhalen. De teksten zijn echter ook zonder de kennis van zijn privéleven uitstekend leesbaar, dat bewijst het wereldwijde succes van zijn boeken.

boek3_webDeel 3
In het derde deel komt de uitbraak van de Spaanse griep ter sprake, die ca. 40 miljoen mensen het leven kost. Wanneer Kafka er in 1918zelf  mee wordt besmet, breekt bij hem voor de tweede keer tbc uit, nu  echter met fatale afloop. We maken kennis met Kafka’s tweede verloofde Julie Wohryzek en Kafka’s beroemde ‘brief aan vader’, waarvan regelmatig fragmenten in de biografie opduiken. In 1923 leert Kafka Dora Diamant kennen. Biograaf Reiner Stach beschrijft aangrijpend hoe zij Kafka tijdens zijn laatste maanden ondersteunt, tot aan zijn dood in een klein sanatorium in Kierling. In alle drie de delen spelen het zionisme, de strijd tussen de Oost- en Westjoden, de Jodenhaat en de conflicten tussen de Duits en Tsjechisch sprekende bevolking een belangrijke rol. Daarnaast verraadt de biografie veel interessante details over de personen die in het leven van Kafka een rol van betekenis spelen.

Vorm
Stach schrijft in een schitterende romanvorm. Ik vraag hem of hij een andere biografie in deze stijl kent. ‘De biografie van Sartre over Flaubert is een voorbeeld. Het is literair niet zeer goed, maar hij probeerde veel maatschappelijke gebeurtenissen met het individu te verweven. Dat heb ik ook geprobeerd. Bij het begin van de Eerste Wereldoorlog maakte ik gebruik van een zoombeweging. Aan de ene kant het individu Kafka achter zijn bureau, aan de andere kant enkele ministers in Wenen die besluiten oorlog te voeren. Ze weten echter nog niet welke consequenties die met zich meebrengen. Dan kom ik uit Wenen steeds dichter in de buurt van Kafka die achter zijn bureau zit. Welke consequenties heeft de oorlog in het algemeen? Welke consequenties heeft de oorlog voor Praag? Wat weten de mensen in Praag over de oorlog en weet Kafka door zijn functie bij het verzekeringsbedrijf meer over de oorlog dan anderen? Door de vele tussenstappen is dat natuurlijk spannend voor de lezers, omdat ze een empathie voor de situatie krijgen.’

Biografieën
In 1937 schrijft Max Brod de eerste Kafka-biografie. Walter Benjamin is het oneens met de religieuze interpretaties van Brod. De Nederlandse schrijver Menno ter Braak was evenmin onder de indruk: ‘Het belang ervan moet men voornamelijk in de meegedeelde feiten zoeken; de commentaar van Brod is vaak onbevredigend.’ Reiner Stach uit eveneens kritiek: ‘Ik geloof niet dat Brod Kafka echt heeft begrepen. Een indicatie daarvoor is hoe Brod zich later uitliet over Samuel Beckett, voor mij de eigenlijke erfgenaam van Kafka, omdat hij het voor elkaar kreeg het verschrikkelijke en het komische te verenigen. Brod zegt dat Kafka met dat absurde gedoe überhaupt niets te maken heeft. Die vorm van moderniteit was dus volledig vreemd voor Brod en ging daadwerkelijk boven zijn pet.’ In 1958 publiceert de Duitse uitgever Wagenbach een biografie over Kafka. Volgens Stach is dat eerder een belangrijke bronnenpublicatie dan een nauwkeurige biografie. In 1969 schrijft Elias Canetti Der andere Prozeß, een boek dat Stach in zijn biografie af en toe becommentarieert. ‘Canetti wist niet wie Felice Bauer was, omdat hij geen informatie over haar had. Daarom dacht hij dat ze enkel een projectiewand was voor Kafka. Op de kaft van de eerste uitgave staat dan ook een vrouw zonder gezicht. Voor Kafka was ze natuurlijk niet zonder gezicht. Nu we door de brieven van Felice Bauer veel over haar weten klopt die informatie in dat boek niet meer.’

Beeld van Kafka
Veel mensen hebben een verkeerd beeld van de persoon Franz Kafka. Ze denken dat hij voortdurend depressief was of iets dergelijks. Dat is onzin, zegt Stach. `Kafka was zeer charmant en grappig. Hij had gevoel voor humor en was een grote fan van de bioscoop. Hij was er meermaals per week te vinden. Bovendien was hij heel nieuwsgierig naar techniek en enorm in vliegtuigen geïnteresseerd. Hij wilde per se Bleriot zien, de man die als eerste over Het Kanaal vloog. Daarom reisde hij naar de vliegshow in Brescia. Daarnaast denken veel mensen dat Kafka een volledig onderdrukte, neurotische seksualiteit had. Dat klopt niet. Het enige probleem was dat hij niet in staat was een verschil te maken tussen prostituees en burgerlijke vrouwen. Je gedraagt je tegenover de ene groep anders dan tegenover de andere. Bij Kafka was dat niet zo. Twee keer had hij een relatie met een prostituee. Hij behandelde haar net zoals andere vrouwen. Hij ging met haar naar de bioscoop en liep met haar over de marktplaats.’

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Overzicht
Hoe behoud je met zo veel informatie het overzicht? Die vraag stelde een journalist van de Wiener Zeitung. Stach biedt een inkijk in zijn systhematische manier van werken: ‘Dat was niet gemakkelijk. De tijd van de kaartenbakken is voorbij. Bij mijn proefschrift, dat eveneens over Kafka ging, maakte ik daar nog gebruik van. Vandaag de dag heb je een goed georganiseerde database nodig. Al midden jaren negentig heb ik een soort synopsis aangelegd, een enorme tabel waaruit je kunt opmaken wat er op iedere aparte dag is gebeurd. Aan de linkerkant noteerde ik welke autobiografische getuigenissen er van Kafka zijn – dagboekaantekeningen, brieven, enz. – in beide kolommen rechts daarvan noteerde ik wat er in Praag en in de cultuur gebeurde, dus welke boeken er werden uitgegeven, welke lezingen er in Praag werden gehouden en welke films er in de bioscoop draaiden. Anders kun je het overzicht met honderdduizenden details niet behouden. Deze synopsis was de kern van mijn data-organisatie.’

Media
De pers reageert lovend op de nieuwe Kafka-biografie. ‘Nu al een meesterwerk’, schrijft de Duitse radiozender Deutschlandfunk. De Franfurter Allgemeine Zeitung meldt dat ‘een mijlpaal van de Duitse literatuurgeschiedenis compleet is’. Het weekblad Der Spiegel schrijft dat door de synoptische blik van één persoon een adembenemende rijkdom aan data en literatuur verwerkt is en met elkaar verbonden tot een fantastische compositie. Het dagblad Die Welt noemt het een monumentale biografie. Ook in het buitenland krijgt de biografie lovende recensies. ‘Door zijn onuitputtelijke geleerdheid, zijn immense inlevingsvermogen en zijn hartstochtelijke stijl is het Stach gelukt over te brengen hoe het geweest is Franz Kafka te zijn.’ Dat schrijft John Banville van The New York Review of Books.

Huidige tijd
De biografie herinnert in mijn ogen aan het hedendaagse leven. Dat beaamt Stach: ‘Er zijn hele sterke parallellen zoals de snelheid van de technische innovatie. Elk jaar een nieuwe technologie. Nu zie je dat het internet explodeert met zijn vele opties. Het gaat nu eenmaal te snel. Cultuurwetenschappers kunnen de snel op elkaar volgende trends niet meer volgen. Willen ze de gevolgen van een bepaalde nieuwe technologie onderzoeken, Facebook bijvoorbeeld, dan is er een jaar later al de volgende technologie, WhatsApp bijvoorbeeld. Het is niet mogelijk te analyseren, omdat het te snel gaat. De mensen kunnen het niet meer aan. Dan komt er een tegenreactie, een slow down. Men wil graag eenvoudige boodschappen hebben. Dat is natuurlijk dé kans voor de esoterie. De esoterie is een miljardenbusiness. Dat hangt dus samen met het feit dat de wereld technisch gezien steeds gecompliceerder wordt, steeds sneller en complexer. En precies zo was het ook rondom het jaar 1900. Destijds heette die tegenbeweging Lebensreform. De gangbare ziekte was nervositeit, dat is de burn-out van vandaag.’

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De biografie verschijnt ook op het witte doek. De contracten zijn al getekend. […]

Lees het complete artikel in Kunsttijdschrift Vlaanderen, te bestellen via deze link.

Kafka Die frühen Jahre, 608 pagina’s (gebonden)
Kafka Die Jahre der Entscheidungen, 704 pagina’s (gebonden)
Kafka Die Jahre der Erkenntnis, 736 pagina’s (gebonden)

Documentaire over Kafka
In het artikel vertelt Reiner Stach dat hij Wege entstehen beim Gehen de beste documentaire over Kafka vindt. Die film van 44 minuten is via onderstaande link te bekijken:
Kafka. Wege enststehen beim Gehen

UPDATE
Op vrijdag 16 september mag de Duitse biograaf Reiner Stach in ‘Theater Koblenz’ de Joseph-Breitbach-Preis 2016 in ontvangst nemen. Aan deze onderscheiding is een geldbedrag van 50.000 euro verbonden: www.joseph-breitbach-preis.de